Reise, reisen …

pfarrerFür viele Menschen heute ist es oft ein Muß geworden zu verreisen, selbst am Wochenende oder mit Hilfe eines Brückentages auch mal als verlängertes Wochenende, selbstverständlich im Urlaub usw.

Mancher macht eine Bildungsreise, andere sind oft auf Dienstreise, andere machen eine Kaffeefahrt und selbst Pilgereisen sind wieder in Mode gekommen.

Nur eine Art zu reisen, ist uns allen heute fremd: die Missionsreise. Auf eine solche Idee würden wir heute wohl kaum kommen. Dabei wäre es heute leichter als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte, wo es weder Flugzeuge noch Autos gab. Und doch hat sich das Christentum durch nichts anderes verbreitet.

Wir hörten heute in der Lesung aus der Apg von der Missionsreisetätigkeit des Paulus und Barnabas.

Jedermanns Sache ist das freilich nicht. Aber doch hat jeder die Möglichkeit, missionarisch tätig zu sein. Das muß nicht immer gleich in dem Umfang geschehen wie es uns von Paulus berichtet wird oder anderen in der Kirchengeschichte. Mission kann auch im konkreten Alltag passieren. Mitunter in der eigene Verwandtschaft, oder tatsächlich auf einer Reise, die wir machen – egal ob im Urlaub oder anderweitig. – Aber wie geht Mission heute?

Um missionarisch tätig zu werden, muß ich erst einmal von dem, was ich verkünden, verbreiten will, womit andere begeistern will, selbst begeistert sein. Und noch etwas: Ich muß mit Ablehnung rechnen. Die einfachste Art der Mission ist das Zeugnis geben. – Z.B. im Urlaub: Die anderen dürfen schon sehen, daß ich am Sonntag mich aufmache, um eine Heilige Messe zu besuchen – was mitunter auch mit Aufwand verbunden ist. Andere dürfen schon sehen, daß ich vor und nach dem Essen bete. Andere dürfen schon erfahren, daß ich ganz selbstverständlich über Gott und meinen Glauben reden kann. Ich kann anderen erzählen, daß ich auf die Kraft des Gebetes vertraue, daß ich an Gott glaube usw.

Oft kommt dann schnell das Gespräch auf Kirche – natürlich darauf, wie unzeitgemäß sie ist und den ganzen Unfug, der in den Medien verbreitet wird. Wenn ich dann aber zur Kirche stehe, mir nicht die Butter vom Brot nehmen lasse, dann rüttelt das andere auf. Natürlich kann es auch sein, daß man sich von uns abwendet, auch das ist nicht das schlimmste.
Nur keine Angst! Mancher denkt, er kann ja gar nicht viel zum Glauben sagen usw. Aber es soll ja auch keiner eine Theologievorlesung halten, sondern einfach nur Zeugnis geben von Christus, der in meinem Leben einen wesentlichen Platz hat. Hier dürfen wir auf den Geist Gottes vertrauen, daß er uns hilft und auch die Herzen anderer öffnet.

Das Herz eines anderes Menschen erreiche ich vor allen durch eines: durch Liebe.
Von dieser Liebe spricht Jesus im Evangelium: Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Gemeint ist keine freundschaftliche Liebe aus Sympathie, sondern die Liebe als göttliche Tugend, welche der Heilige Geist schenkt. Im griechischen Text gibt es dafür ein eigenes Wort, das ganz anders ist als das für rein menschliche Liebe.

Es ist diese Liebe, die dann auch das beste Motiv und das einzig wirkliche Werkzeug christlicher Mission ist. An dieser Liebe wird die Welt die Jünger Jesu erkennen.
Sie ist etwas ganz anderes als das, was die Welt unter Liebe versteht; sie ist die göttliche Tugend, die ihre Kraft entfaltet, wenn wir die Erlösung annehmen und den Heiligen Geist zur Wirkung kommen lassen.

Wer missionarisch tätig wird, sollte auch immer dem anderen sagen, daß ich für ihn beten werde. Und Sie werden sehen, daß da wahrscheinlich kein einziger Nein sagen wird, es sei denn, da ist jemand komplett vom Teufel besessen. Es ist die letzte Ahnung im Menschen vom Geheimnis Gottes und die Hoffnung, von ihm doch etwas heilvolles zu erhalten.

Wenn dann Menschen aus dieser Ahnung heraus sich mehr und mehr für Gott öffnen können, geschieht oft wunderbares. – Mission ist also, diese Ahnung im Menschen zu wecken, daß Gott doch da ist und von ihm her etwas Gutes zu erwarten ist. Hier wird dann der Erlösung immer mehr der Weg gebahnt, die jeder Mensch sie annehmen muß, um ihre gnadenhafte Wirkung und Verwandlung zu erfahren. Amen.

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Gemeinde – Bilder

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