Kunst in der Kirche

SONY DSCÜber Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Der eine findet Mozart schön, der andere Schlager, für wieder einen anderen geht nichts über Bach, andere lieben Gospel. Ahnlich ist das in der sakralen Kunst, angefangen bei der Kirchenmusik bis hin zur Ausschmückung einer Kirche. Auch hier mögen es die einen lieber schlicht oder gar abstrakt, andere mögen mehr barocke Kirchen, wieder andere einen majestätischen gotischen Dom.

Unsere Pfarrkirche ist sicher ein Zusammenspiel von verschiedenem. Sie hat keinen eindeutigen Stil wie etwa Gotik oder Barock. Sie ist ein Kirchraum, der im Laufe der Pfarreigeschichte immer wieder Veränderungen erfahren hat.

Dabei wurde auch die künstlerische Ausschmückung immer wieder verändert.

Es gab z.B. mal ein Wandgemälde „Jesus mit den zwölf Jüngern“, in Großenhain auch bekannt als „Jesus und die zwölf Räuber“. Der Chronist der Pfarrei bedauert in seiner Niederschrift, dass das Gemälde überstrichen wurde und hoffte auf spätere Wiederfreilegung, was aber nicht geschah. Auch gab es mal ein
Büßerkreuz usw.

Man musste immer schauen, was in der jeweiligen Zeit möglich war. ln den 60erJahren kamen die modernen Fenster in die Kirche, der Altarraum wurde in der heutigen Gestalt hergerichtet usw. Ein besonderes Kleinod unserer Diasporakirche sind die Figuren, die mal dastanden, dann mal wieder wegkamen. Doch jede von ihnen hat eine eigene Geschichte, ein schicksalhaften Hintergrund, so könnte man fast sagen.

Unsere Gottesmutter beispielsweise wurde von der Familie Broermann gestiftet zur Erinnerung an den in Südwestafrika gefallenen Sohn.

Auch gab es passend zur Maria einen Hl. Josef, der durch das eifrige Sammeln von einem Frl. Anna Paßpenberger angeschafft werden konnte.

An die Hl. Katharina erinnerte nur ein kleines Relief über dem Tabernakel. Das sollte sich aber ab 1939 ändern. Mitten im zweiten Weltkrieg kam der Bischof, um das Sakrament der Firmung zu spenden. Viele Polen, welche wahrscheinlich Zwangsarbeiter waren, kamen zu dieser Hl. Messe. Es kamen durch die
Kollekten so viel Geld zusammen, dass man bei den Kunstwerkstätten Boesken in Liegnitz eine Statue der Hl. Katharina anfertigen lassen konnte. Zudem kam ein schönes altes Schnitzwerk aus dem Schloss Schönfeld in unsere Kirche: Der Heilige Georg; er wurde wieder restauriert und stand seit dem mit einer kunstvoll gearbeiteten Holztafel, welche an die Opfer des Ersten Weltkrieges erinnerte, in unserer Kirche.

Auch kam eine Bonifatiusfigur; er sollte an schwierigen Anfangsjahre erinnern sollte, wo das Bonifatiuswerk die Gläubigen mit Spenden und Gebet unterstütze.

Zudem befand sich am Eingang der Kirche der Hl. Antonius, der mahnend auf die Gläubigen schaute, dass sie ihren Beitrag geben zur Unterstützung der Armen und Bedürftigen, das sogenannte „Antoniusbrot“. ln der Chronik ist zu lesen: „So ward die Kapelle mitten in den Kriegswirren würdig ausgestattet und konnte getrost den Vergleich mit größeren und reicheren Gotteshäusern aushalten.“

Immer wieder werden in der Chronik auch Priester- und Bischofsbesuche erwähnt, bei denen die Kapelle für ihre wunderschöne Ausschmückung gelobt wurde.

Doch der Preis für die Figuren war höher als gedacht. Dadurch, dass Polen (wahrscheinlich Zwangsarbeiter) mit Wissen des Pfarrers von Oer an einer deutschen Messe teilnahmen ohne Genehmigung der örtlichen Behörden, wurden Pfr. v. Oehr und ein Mitarbeiter der Gemeinde für 3 Wochen in Haft genommen. Somit sind die Figuren auch Mahnmal für uns für Gerechtigkeit und Völkerverständigung.

Vieles noch wäre aus der Historie zu sagen. Viel wichtiger ist aber ist die Tatsache, dass jede Ausschmückung der Kirche einen wichtigen liturgischen Zweck erfüllt. Sie soll helfen, das Mysteriurn unseres Glaubens tiefer zu erfassen. Egal, ob Kirchenmusik oder Kunst und Raumgestaltung, alles dient der
Vertiefung des Glaubens und soll uns dern göttlichen Geheimnis näherbringen.

Liturgische Farben, Dienste am Altar, Blumen und Kerzen usw. haben eine wichtige Funktion im Gottesdienst, weil sie das jeweilige Festgeheimnis ausschmücken und deuten und – so Papst Benedikt – aus dem Banalen und Alltäglichen herausheben.

Vor allem geht es um eines NICHT: Es geht nicht um den persönlichen Geschmack. Der eine findet einen ganz schlichten Gottesdienstraum ansprechend, der andere einen schön geschmückten. Mancher freut sich an
modernem Chorgesang, andere lieben mehr barocke Klänge. Ahnlich bei den Figuren: Sie regen die einen zum Gebet und zur Betrachtung an, andere vielleicht weniger. Oder unsere Kirchenfenster: für manche sind sie einfach nur bunt und bringen Atmosphäre in den Kirchraum, andere sehen darin eine hohe Theologie verkörpert.

Vergessen wir nicht: Das alles sind Dinge ringsherum. Alles bisher Erwähnte zielt jedoch einzig und allein auf den Tabernakel hin, die Gegenwart Christi in der Eucharistie, seine Anbetung und Verherrlichung. Und das ist die vornehmliche Aufgabe der Liturgie als Gipfel und Quelle, wie das II. Vatikanische Konzil sagt.

An der Liturgie also muss sich alles messen lassen. Kirchenmusik unterstreicht und drückt aus, was wir liturgisch feiern, ebenso die liturgischen Farben usw.

Ahnlich ist das z.B. auch mit dem Kreuzweg, mit dessen Hilfe wir uns die Passion vergegenwärtigen und betrachten. Es geht nicht zuerst um den Kunstwert. Die Frage ist: lst er auch liturgisch zu gebrauchen?
Unserer Kreuzweg hier hat bspw. keine 14 Stationen und ist somit für Kreuzwegandachten nur bedingt verwendbar.

Ebenso sollten die Figuren, die unsere Kirche schmücken, nicht zuerst nach Kunstwert oder persönlichem Geschmack bewertet werden. Es gibt viele in der Gemeinde, die einfach zu lange etwa den Hl. Josef vermisst haben. Anderen wird er nicht direkt gefehlt haben. Jedenfalls ist der Wunsch mehrfach an mich herangetragen worden, dass ein Josef als Patron der Kirche und der Arbeiter wieder her solle. Und da er dazu noch komplett gespendet wurde, haben wir ihn nun wieder: eine handgeschnitzte und handcolorierte Josefsfigur. lm Kirchenrat wurde das selbstverständlich beraten und beschlossen.

Vielleicht brauchen wir beides: Wir brauchen die Schätze aus der Vergangenheit und eine zeitgemäße Deutung in der Gegenwart, um die Weite und Schönheit unseres Glaubens neu ausloten zu können und immer wieder Neues im Glauben zu entdecken – und manchmal ist das auch altes Neues.

Sie alle kennen das Buch „So bunt ist unser Glaube“. Dort wird sehr eindrucksvoll, reich mit Bildern und Übersichten, der christlich Glaube in seiner Vielfalt beschrieben. Schauen wir doch auch immer wieder mal in unser Leben, ob unser Glaube vielleicht hier und da zu einspurig ist, zu rechtslastig, zu verstaubt oder einfach nur zu schlicht oder nur noch modern orientiert – was das auch immer im einzelnen sein soll.

Leben wir die Vielfalt unseres bunten Glaubens – eine Vielfalt, die hinführt zur’Einheit mit Christus. Amen.

Predigt von Pfr. Andreas Jaster anlässlich der Neuanschaffung der Josephs-Statue

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